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ITK News
15.12.2022

SASE

Secure Access Service Edge als Alternative zu zentralisierten Sicherheitsarchitekturen

In unserer modernen IT-Welt sind Benutzer, Geräte und Applikationen vielfältig und verteilt. Der früher selbstverständliche Netzrand (Perimeter) am Rechenzentrum ist längst aufgelöst. Mobile User wollen z. B. vom Homeoffice aus auf eine öffentliche Cloud wie Microsoft 365 zugreifen, aber auch Dokumente bearbeiten, die auf einem Server im unternehmenseigenen Rechenzentrum liegen. Klassische Sicherheitsarchitekturen, die die Unternehmens-Firewall im RZ zur kompletten Absicherung nutzen, erzeugen lange Kommunikationswege und damit unnötig lange Antwortzeiten. Lässt man dagegen direkte Verbindungen (z. B. zur Public Cloud) zu, benötigt man Alternativen zu der zentralisierten Sicherheitsarchitektur. Vor einigen Jahren hat Gartner deshalb eine Architektur beschrieben, die SASE genannt wird. Dabei wird der sichere Zugang zu Applikationen durch Identifikations- und Authentifizierungsmechanismen ermöglicht, die am Netzrand als Service zur Verfügung gestellt werden: Secure Access Service Edge. Die klassischen VPN-Verbindungen, die einen externen Zugang zum Unternehmensnetz herstellen, werden durch einen Zero-Trust-Network-Access-Ansatz abgelöst, den wir bereits im ITK-Blog vom 21. September 2022 beschrieben haben. Bereits am Netzrand werden Sicherheits-Policies kontrolliert. Es greifen – wie dort vorgesehen – Zugangsmechanismen, die kontext- und identitätsbasierend sind.

SASE ist also eine Technologie, welche softwaredefinierte Netzwerkfunktionen (z. B. SD-WAN) mit Cloud-basierten Sicherheitsdiensten kombiniert. SASE bedient die neuen Anforderungen an die dezentrale sichere Positionierung von Endpunkten im Netzwerk, indem WAN- und Sicherheitsfunktionen als Cloud-Computing-Dienst an der Quelle der Verbindung (Anwender, Gerät, Standort) realisiert werden.

Die Kern-Funktionalitäten einer SASE-Architektur sind

  • Secure Web Gateways (SWG)
    Ein Secure Web Gateway ist eine Cloud-basierte Sicherheitslösung für Internet Browsing, die verhindert, dass ungesicherter Traffic in ein internes Netzwerk gelangt. SWGs werden eingesetzt, um Mitarbeiter und User vor dem Zugriff auf bzw. vor Infektionen durch schädlichen Web-Traffic, Websites mit Sicherheitslücken, über das Internet übertragene Viren, Malware und Cyberbedrohungen zu schützen. Ferner werden hier unternehmensspezifische Policies hinterlegt und überprüft. Gemäß der Definition von Gartner müssen im Funktionsumfang eines Secure Web Gateway mindestens URL-Filterung, Erkennung und Filterung von Schadcode sowie Anwendungskontrollen für gängige Cloud-Applikationen wie Instant Messaging (IM) und Skype inbegriffen sein. Weiter ist eine native oder integrierte DLP-Funktion (Data Loss Prevention) erforderlich.
  • Cloud Access Security Broker (CASB)
    Der Cloud Access Security Broker schützt die in die Cloud verlagerten Business-Anwendungen eines Unternehmens. Der CASB ist eine spezielle Software oder ein Service, der die Kommunikation zwischen dem Anwender und der Cloud-Applikation analysiert, steuert und protokolliert. Die typischen Funktionen eines Cloud Access Security Brokers sind für den Cloud Zugang: Analyse und Überwachung, Durchsetzung von Sicherheits-Policies, Alarmierung zur Einleitung von Incident-Maßnahmen, Monitoring und Reporting.
  • Software Defined Wide Area Network (SD-WAN)
    SD-WAN beschreibt eine Netzwerkarchitektur, die die klassische Welt der intelligenten Router konvertiert. Die Control Plane (intelligente Steuerungsentscheidungen) wird von der reinen Data Plane (Routing nach Anweisung) separiert. Ein SD-WAN Controller ist eine zentralisierte Instanz (Overlay), die alle Informationen über das oder die Netzwerke wie MPLS, Internet, LTE (Underlays) und ihre Leistungsfähigkeit aktuell hält und mit diesem Wissen das optimale Routing durch das Gesamtnetzwerk steuert. SD-WAN CPEs (Customer Premises Equipments) können auf Paketebene die zugehörige Applikation feststellen und dann entscheiden, über welchen Weg (MPLS-VPN oder Internet etc.) dieses Paket optimal geroutet werden soll. Durch diese Verkehrsflussoptimierung lassen sich firmeneigene Vorgaben (Policies) und SLAs (Service Level Agreements) umsetzen. Die SASE-Architektur nutzt die Eigenschaften und Funktionen von SD-WAN, indem sie sicherheitsrelevante Funktionen darauf abbildet. Damit kommt einzelnen Nutzern oder Nutzergruppen mit Remote Access der gleiche Sicherheitsstandard zugute wie heute ganzen Branch Offices oder den Zentralen.
  • Firewall as a Service (FWaaS)
    Für die Basis-Absicherung des internen Netzes, aber auch der Cloud-basierten Infrastruktur (IaaS), kommen Next Generation Firewalls (NGFW) zum Einsatz. FWaaS sind in der Cloud angesiedelt und sind mit Funktionen wie Deep Packet Inspection, Intrusion Prevention und Detection, URL-Filterung, Threat Intelligence, DNS Security und Malware-Abwehr ausgestattet. Dabei werden in der Cloud hoch skalierende Systeme aufgebaut, die dann mandantenfähig nur den Verkehr eines Kunden auf Basis von dessen Richtlinien behandeln.
SASE Architektur Übersichtsbild - 60 % der Unternehmen wollen bis 2023 Strategien und Zeitpläne zur Einführung von SASE verfügbar haben (laut Gartner)

Der Markt um SASE-Produkte stellt sich je nach Integration derzeit dreigeteilt dar:

  • Anbieter reiner SD-WAN-Netzwerklösungen
    (z. B. HPE, Huawei, Nuage, Riverbed etc.)
  • Anbieter einer kombinierten Netzwerk- und Sicherheitslösung gemäß der SASE-Architektur
    (z. B. Versa, Fortinet, Cisco, Palo Alto, Juniper, VMware, Cato etc.)
  • Anbieter reiner Sicherheitslösungen ohne Netzwerklösung
    (z. B. ZScaler, McAfee, Broadcom, Menlo etc.)
    Diese Variante wird nach Gartner auch Secure Service Edge (SSE) genannt.

Ob eine integrierte oder zunächst nur eine Network- oder Security-basierende Lösung die beste und passendste für ein Unternehmen ist, hängt stark von dessen Ausgangssituation ab. Deshalb sind zu Beginn einer möglichen Migration detaillierte und vollständige Bestands- und Bedarfsanalysen durchzuführen, welche die Strategien des Unternehmens – insbesondere bezüglich der WFA-Ausprägung (WFA = Work From Anywhere) und geplanter Cloud-Projekte – einbeziehen. In einer ersten groben Zielarchitektur kann aufgezeigt werden, welche SASE-Funktionen unbedingt zu Beginn eingeführt werden müssen und welche auch in einer späteren Phase noch hinzukommen können. Eine Einführungsstrategie bestimmt dann die Reihenfolge der Umsetzung ohne einen radikalen Schnitt und reduziert damit auch die Risiken bei der Umsetzung.

Um möglichst schnell die Zugangssicherheit vor allem für mobile Nutzer zu schaffen, bietet sich eine frühe Implementierung des ZTNA-Verfahrens an. Dabei kann eine Cloud-basierte Security-Lösung Anwendung finden. Für die Nutzer am Unternehmensstandort kann für das (W)LAN eine zertifikatsbasierte Authentifizierung gem. IEEE 802.1x eingeführt werden. Langfristig sollte ZTNA dann für alle Nutzer, unabhängig von ihrem Standort, verfügbar sein.

Grundsätzlich vereinfacht sich die Netz- und Sicherheitsarchitektur durch den SASE-Ansatz. Bei der Umsetzung der SASE-Funktionsblöcke sollte die Komplexität durch Reduktion auf max. zwei Hersteller nicht unnötig wieder erhöht werden. Selbstverständlich muss das Betriebspersonal durch Schulungen auf die veränderte Technologie vorbereitet werden. Eine Zusammenlegung der oft heute noch getrennten Organisationen für den Netzwerkbetrieb und für die Sicherheit bietet sich an. Zukünftig kann man sich dann auf die Ausarbeitung und Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien sowie auf die Planung der Transformation der IT konzentrieren.

Laut Gartner werden 2025 mindestens 60 % der Unternehmen über explizite Strategien und Zeitpläne für die Einführung von SASE verfügen, die Benutzer-, Zweigstellen- und Edge-Zugriff umfassen. Ein großer Anstieg gegenüber 10 % im Jahr 2020.

Auf dem Weg bis zur Einführung von SASE kann DOK SYSTEME Sie unterstützen bei der:

  • Bestands- und Bedarfsanalyse (Technik, Betrieb, Verträge)
  • Erstellung einer SASE-Strategie
  • Beschaffung (Ausschreibung) und Umsetzung (Projektmanagement)

Felix Fehlau
Senior Executive Consultant 

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