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Von ISDN zu All-IP

Worauf Sie achten müssen!

Die alte Welt der ISDN-Sprachkommunikation mit TK-Anlagen und Primärmultiplexanschlüssen geht bald zu Ende. Bei der Migration in eine neue Welt geht es nicht nur um die Sprachkommunikation, denn mit All-IP setzen sich flächendeckend Unified Communication and Collaboration (UCC) durch. Die neue Welt kann bedarfsgerechter, flexibler und effizienter werden, wenn Sie die richtigen Anforderungen stellen.

Folgt man den Angeboten der Netzbetreiber und TK-Anlagenhersteller machen die jeweiligen Rundum-sorglos-Pakete jeden glücklich. Bei näherer Betrachtung zeigen sich allerdings gewichtige Unterschiede, die je nach Unternehmensanforderung entscheidend sein können. Dies soll beispielhaft an den folgenden fünf Aspekten gezeigt werden.

1. Der Zugang ins öffentliche Netz (SIP-Trunk).
2. Die Einbindung der Kommunikationsdienste in die Unternehmensorganisation, z. B. als einheitliche Lösung für Zentrale, Niederlassungen und Außenbüros.
3. Der Bedarf für Sprach- und UC-Dienste. Und was ist mit Fax und Brandmeldern?
4. Wie sind in der tendenziell unsicheren IP-Welt die Ausfall- und IT-Sicherheit gewährleistet?
5. Die Höhe der Betriebskosten, Fragen der Abrechenbarkeit, Administrierbarkeit, Flexibilität und Skalierbarkeit.


Vom Primärmultiplexer zum SIP-Trunk

In der Vergangenheit erfolgte die Anbindung der Sprachdienste (TK-Anlage) über einen oder mehrere ISDN-Primärmultiplexanschlüsse mit jeweils 30 Nutzkanälen (B-Kanäle) mit je 64 kBit/s. 

Abb. SIP und RTP - Mit der Migration der Telefoniewelt in das Next Generation Network (NGN) erfolgt auch die Sprachkommunikation über das IP-Protokoll, konkret die Signalisierung über das Session Initiation Protocol (SIP) und der eigentliche Medienstrom mit Hilfe des Real-Time Transport Protocol (RTP).


Daher sollte der Zugang in das öffentliche Netz sinnvollerweise direkt über eine IP-Anbindung erfolgen. Konvertierungen von der alten ISDN-Welt in IP über sogenannte VoIP-Gateways sind dann nicht mehr erforderlich.

Dank IP müssen es aber nicht mehr komplette Blocks von 30 Sprachkanälen sein, sondern je nach Unternehmensbedarf genauso viele Kanäle, wie erforderlich. Hier sind die Provider-Angebote zu prüfen, wie flexibel einzelne Kanäle hinzugefügt oder entfernt werden können.

Abb. SIP-Trunk - Weil der Provider den Unternehmen über SIP ganze Rufnummernblöcke bzw. einen ganzen Strang an Sprachkanälen/Durchwahlnummern (Trunk) zuweist, wird von einem SIP-Trunk gesprochen.

 

Jeder kocht sein eigenes SIPchen

Das SIP-Protokoll steuert und regelt die Sprachkommunikation zwischen den IP-Teilnehmern. Dummerweise hat es viele Freiheitsgrade. Das führt dazu, dass nicht jeder Provider alle Voice-over-IP-Leistungsmerkmale (VoIP) unterstützt. „Wir brauchen bei IP-Telefonanlagen international einheitliche Standards, die providerunabhängig genutzt werden können“, sagt der Bereichsleiter Telekommunikation beim Branchenverband Bitkom. Deshalb ist auf die Unterstützung des sogenannten SIP-Connect-Standards zu achten, der die konfliktfreie Zusammenschaltung von privaten VoIP-Systemen mit öffentlichen IP-Netzen beschreibt.

Für eine bestmögliche Sprachqualität haben außerdem weitere Faktoren wie die Sprach-Digitalisierung (Audio-Codec), Bandbreite, Komprimierung, Paketverluste, Laufzeiten und Laufzeitschwankungen im Übertragungstakt (Jitter) einen großen Einfluss. Für eine bessere Qualitätsabsicherung werden professionelle VoIP-Dienste nicht über das öffentliche Internet, sondern beispielsweise über Provider-eigene Next-Generation-Networks-Netze (NGN) übertragen und die Sprache wird mit zahlreichen Qualitätsmerkmalen (Quality of Service, QoS) wie Availability, Packet Loss, Latency etc. abgesichert. Diese Merkmale sind messbar und können als Service-Level Vertragsbestandteil sein. Zur Unterscheidung von Anbietern können auch Messwerte für die subjektiv empfundene Sprachqualität, dem „Mean Opinion Score“ (MOS), herangezogen werden.


Eine zentrale Organisation für alle Rufnummern

Durch die IP-Technologie sind im Unternehmen komplett neue Kommunikationslösungen möglich. So kann eine zentrale TK-UC-Anlage die einzelnen Anlagen in den Niederlassungen ersetzen. Die Mitarbeiter sind unterwegs auf der Dienstreise, im Büro oder im Homeoffice immer über die gleiche Nummer erreichbar. Die UC-Dienste für Sprache, Daten und Video mit Telefon- und Videokonferenzen sind offen für unterschiedlichste Endgeräte wie Smartphone, Tablet, Web- Büroarbeitsplatz oder IP-Telefone und können über die Computer-Telefonie-Integration (CTI) in die Geschäftsprozesse eingebunden werden. Dabei können die IP-TK-Anlagen vor Ort installiert sein oder über ein Corporate Network als "Communication as a Service" (CaaS) aus der Cloud genutzt werden.

Problematischer wird es, wenn weiter Sonderdienste aus der alten ISDN-Welt genutzt werden sollen wie z. B. Fax, Brandmeldeanlagen, Pegelmesssysteme, X.31-Dienste oder Notruftelefone in Aufzügen. Werden über die zentrale TK-Anlage des Unternehmens mehrere Filialen aus unterschiedlichen Ortsnetzen zusammengeführt, gibt es beispielsweise beim Notruf ein Problem.

Gemäß der Technischen Richtlinie Notruf (TR Notruf) müssen bei Notrufverbindungen die Standortdaten des Anrufers zur Notrufleitstelle übertragen werden. Bei zentralen Anlagen wird bei einem Notruf aus der Filiale allerdings die Adresse der registrierten Zentrale übermittelt und die Leitstelle erhält den Notruf, die dem Anschluss der Zentrale zugeordnet ist. Eine korrekte Zuordnung kann durch die Verwendung von geografischen Rufnummern oder durch die Aufteilung des Rufnummernraums erreicht werden, was allerdings nicht in allen Fällen konform zur Sicht der Bundesnetzagentur (BNetzA) ist.


IP erfordert neue Sicherheitsstandards

Mit der Einrichtung einer zentralen TK-Anlage steigt das Schadensrisiko bei einem Ausfall. Deshalb müssen stärkere Absicherungen geprüft werden, einschließlich redundanter physischer Anbindungen über getrennte Hauseinführungen sowie redundanter Hardware- und Softwarekomponenten.

Mit dem IP-Protokoll kommen aber auch neue Sicherheitsprobleme ins Sprachnetz. Zur sicheren Kopplung eines externen (potenziell unsicheren) Datennetzes mit dem sicheren internen Unternehmensnetz haben sich sogenannte Session Border Controller (SBC) durchgesetzt.

Abb. SBC - Der SBC analysiert die verschiedenen Datenströme (Sessions) und sorgt für die funktionale Trennung von externer und interner IP-Welt.

 

Je nach Provider kann sich die Funktionsvielfalt eines SBC erheblich unterscheiden, um beispielsweise im SBC unternehmenseigene Sicherheitsregeln implementieren und aktualisieren zu können.


Von den Betriebskosten bis zur Skalierbarkeit

Bei der Auswahl eines Providers, eines SIP-Trunks oder einer IP-TK-Anlage werden die Kosten neben dem unmittelbaren Preis auch durch die Administrierbarkeit oder durch die Skalierbarkeit beeinflusst. Für Unternehmen sind zudem die Gestaltbarkeit von Tarifen und die Abrechenbarkeit der genutzten Kommunikationsdienste sowie die Zuordnung beispielsweise zu Kostenstellen relevant.


Der Weg zum besten Angebot

Die beispielhafte Betrachtung der fünf Leistungsaspekte zeigt bereits, dass je nach Unternehmensanforderung sehr unterschiedliche Leistungsmerkmale relevant sein können. Deshalb rät DOK SYSTEME vor der Migration in die All-IP-Welt zunächst zu einer gründlichen Bestandsaufnahme der erforderlichen und wünschenswerten Kommunikationsleistungen. Es geht um die Identifizierung der internen und externen Kommunikationsanforderungen bis hin zur Auswahl der geeigneten Übergabeschnittstellen.

 


Felix Fehlau | Senior Expert Consultant | Tel. +49 (0) 5131 49 33 0

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Dieser Beitrag wurde verschlagwortet mit: All-IP, IP-Telefonie, SIP-Trunk, TK, UCC, Wirtschaftlichkeit

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