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TR Notruf

Standortübermittlung – im Notfall schnelle Hilfe leisten

Netzbetreiber und Telefondienstanbieter (insbesondere die Mitglieder der „Geschlossenen Benutzergruppe Notrufverkehrslenkung“) erwarten die für Ende 2017 / Anfang 2018 angekündigte Veröffentlichung einer neuen Version der Technischen Richtlinie Notruf (TR Notruf 2.0) mit technischen Einzelheiten zur Umsetzung der Verordnung über Notrufverbindungen (NotrufV) nach § 108 Abs. 3 des Telekommunikationsgesetzes (TKG). Die erste Ausgabe der TR Notruf 1.0 vom Juni 2011 stellte bis dahin das Ortsnetzkennzahl (ONKZ) basierte Notrufrouting auf den Amtlichen Gemeindeschlüssel Notruf (AGS_N) für Festnetz und Mobilfunk um. Die AGS_N-Shapes ermöglichen der Bundesnetzagentur (BNetzA) eine wesentlich feinere Notrufplanung mit Bezug auf die politischen Grenzen und unabhängig von den Anschlussbereichen der Telekom. Allerdings wurde das Thema IP nur mit dem Hinweis erwähnt, dass Regelungen im Zusammenhang mit der Technologie-Umstellung in einer Folgeversion aufgenommen werden sollen.

In diesem Artikel wird auf eines der wichtigeren Ziele der TR Notruf eingegangen: Die „Übermittlung des Standortes des Notrufenden“, damit die Feuerwehr und Polizei im Notfall schnelle Hilfe leisten können.

Die seit der Einführung der TR Notruf 1.0 gewonnen Erfahrungen haben gezeigt, dass bei der Bestimmung und Übermittlung des Standortes des Notrufenden noch viel Verbesserungspotential vorhanden ist. Dabei sind die folgenden Herausforderungen zu nennen:

1. Standort im Festnetz als „Amtliche Anschrift“
2. SIP-Trunking und Corporate-Network-Problematik
3. Mobilfunk und bekannte GPS-Koordinaten

Die TR Notruf 1.0 bietet den Netzbetreibern und Telefondienstanbietern vielfältige Möglichkeiten den Standort des Notrufenden an die zuständige Leitstelle zu signalisieren (Basis: ETSI TS101 109). Leider führt diese „Vielfalt“ dazu, dass die im Wettbewerb stehenden Netzbetreiber und Telefondienstanbieter oft auf die einfachsten und günstigsten Lösungen setzen, die dem übergeordneten Ziel „Schnelle Hilfe im Notfall“ nicht genügend Rechnung tragen.

Standort im Festnetz als „Amtliche Anschrift“

Zum Beispiel die Möglichkeit im Festnetz der Übermittlung der „Amtlichen Anschrift“ (TR Notruf N3-A6.2) abgekürzt auf drei Parameter – PLZ + Straßenname (max. 21 Zeichen) + Hausnummer – verursacht nicht selten mehrdeutige Standortangaben. Die fehlende Angabe des Ortes und des Ortsteils führt dazu, dass bei „populären“ Straßennamen wie Hauptstraße, Schulstraße, Gartenstraße, Bahnhofstrasse usw. bis zu 25 Adressen die an die Leistelle übermittelte Standortadresse des Notrufenden erfüllen können. Davon sind ca. 1,5 % der amtlichen Adressen in Deutschland betroffen. Bei ca. 21,2 Mio. Adressen wären von diesem Problem ca. 320.000 Adressen x 3 Bürger/Adresse = 1 Million Bürger betroffen. In der Regel übernehmen und speichern die Netzbetreiber und Telefondienstanbieter die Rechnungsadresse als den Standort des Notrufenden. Berücksichtigt man noch die Fälle, in denen die Rechnungsadresse nicht dem Standort des Telefonendgeräts entspricht, wird die Anzahl der irreführenden und unbrauchbaren Informationen an die Leitstelle noch größer. Darüber hinaus ist die Übermittlung des Postfachs als „Standort des Notrufenden“ für eine Leitstelle nicht sinnvoll.

Das sich seit 2014 erfolgreich im Einsatz bewährte Notrufsystem DOK-ECR beweist, dass die Ermittlung und Anwendung des Standortes des Notrufenden in Form von geografischen Koordinaten (gefordert durch die BNetzA) recht einfach und kostengünstig umgesetzt werden kann. Durch die Anbindung von zwei sich ergänzenden Geocoder-Systemen, die Implementierung einer automatischen Qualitätssicherung, die Berücksichtigung der vollständigen Adresseingabe (inkl. Ortsteil) und nicht zuletzt durch Funktionen, die dem aufnehmenden Mitarbeiter helfen, fehlerhafte Adressen zu korrigieren, können die Anforderungen der BNetzA sicher und im Sinne des Notrufenden und der Leitstelle umgesetzt werden:

SIP-Trunking und Corporate-Network-Problematik

Ein noch gravierenderes Problem „verursacht“ der technische Fortschritt in Form von SIP-Trunks. Bei Unternehmen, Verwaltungen, Krankenkassen usw. ist heute der Einsatz von Corporate Networks mit SIP-Trunks der technische State of the Art; daran führt kein Weg vorbei. Der Gesetzgeber besteht bisher darauf, dass nur der „vom Telekommunikationsnetz festgestellte Standort“ (TR Notruf Kap. 6.2.3) als Standort des Notrufenden zur Bestimmung der richtigen Leitstelle dienen und an die Leitstelle übermittelt werden darf. Ein durchaus nachvollziehbarer Grund dafür sei die Gefahr der Manipulation des Standortes, die zu Fehleinsätzen der Hilfsorganisationen führen könnte.

Ein Beispiel: Ein bundesweit agierendes Unternehmen hat einen zentralen Übergang ins öffentliche Netz in Frankfurt am Main. Wählt ein Mitarbeiter aus einem Büro in Berlin bzw. München die 110/112, ist der Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet, den Notruf an die für Frankurt/Main zuständige Leitstelle zu routen. Auch wenn der Betreiber des Corporate Networks die exakten geografischen Koordinaten des Notrufenden (wie in der TR Notruf gefordert) zur Verfügung hat, dürfen diese mit dem Notruf-Call nicht an den Netzbetreiber übergeben werden. Und das obwohl mit der Übergabe der Notruf-Calls sofort an die zuständige Leitstelle in Berlin bzw. München geroutet werden könnte, ohne die Leitstelle in Frankfurt/M unnötig zu beschäftigen.

Die konsequente Lösung dieses Problems ist die Verwendung von lokalen All-IP-Anschlüssen an allen Standorten eines Unternehmens nur für den Notruf. Dies verursacht erhebliche Kosten für den Anschluss und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen in Form von Firewall und Session Border Controller. Damit wird die Innovation eines zentralen Telefonanschlusses (SIP-Trunk), der mögliche Angriffspunkte minimiert und eine hohe Synergie bei der Nutzung (Bündeleffekt) ermöglicht, konterkariert.

Die Netzbetreiber und Betreiber der Corporate Networks hoffen weiterhin, dass in der Novellierung des TKGs und darauf folgend in einer neuen Version der TR Notruf der technische Ist-Stand der Netze in Deutschland eine Berücksichtigung finden wird.

Mobilfunk und bekannte GPS-Koordinaten

Der Gesetzgeber sieht heute nicht die Übermittlung der GPS-Koordinaten des Smartphones des Notrufenden vor. Da das Smartphone dem Nutzer und nicht dem Netz zugerechnet wird, gilt auch hier die Regel, dass nur der vom Netzbetreiber ermittelte Standort an die Leitstelle übertragen wird. Die Genauigkeit der Ortung geht hier nur auf die Identifikation der Funkzelle zurück, bei der das Smartphone registriert ist.

Auch hier ein Beispiel, welche Konsequenzen das haben kann: Ein Radfahrer stürzt schwer im Wald und erleidet Knochenbrüche. Er weiß nicht genau, wo er ist, weil er nicht ortskundig ist. Es gelingt ihm, von seinem Smartphone einen Notruf abzusetzen, aber aus gesetzlichen Gründen dürfen die bekannten Positionsdaten seines Smartphones nicht an die Leitstelle übermittelt werden. Mit der heutigen „Lösung“ wird der Leitstelle nur grob ein ganzes Dorf bzw. ein Stadtteil als Standort des Anrufenden angezeigt. Damit ist weder dem Hilfesuchenden, noch der Leitstelle und dem Einsatzwagenfahrer geholfen. Auch hier wäre es hilfreich, wenn die im Smartphone vorhandene genaue Standortinformation genutzt werden dürfte.

Wie bereits ausgeführt, gehört das Thema Notruf zu den komplexen und anspruchsvollen Aufgaben, wie das unten skizzierte Schema der Prozesse zeigt:

 

Allen Beteiligten (Gesetzgeber, Netzbetreiber, Telefondienstanbieter, Leitstellen und zuletzt den Endkunden) stehen heute Software- und Hardware-Tools zur Verfügung, die bei einer guten Organisation die Hilfe für einen Menschen in Not vereinfachen, beschleunigen und sicherer machen würden.

 

 


Dipl.-Ing. Anton Zajonk | Senior Consultant |
Tel. +49 (0) 5131 49 33 0

 

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