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TR Notruf 2.0

Änderungen für Netzbetreiber

Die bereits für Ende 2017 angekündigte Novellierung der Technischen Richtlinie Notrufverbindungen (TR Notruf 2.0) ist am 22. August 2018 im Amtsblatt der Bundesnetzagentur (BNetzA) veröffentlicht worden und löst die seit dem Juni 2011 gültige Fassung somit ab. Welche Änderungen ergeben sich hierdurch für die Netzbetreiber?

SIP-Trunk und Standortdaten aus einer tagesaktuellen Datenbank

Einer der großen Kritikpunkte an der bisher gültigen Richtlinie, der von vielen Netzbetreibern in gemeinsam durchgeführten Projekten immer wieder geäußert wurde, war die durch den Regulierer stark eingeschränkte Möglichkeit, einen Notruf über einen zentralen SIP-Trunk zu terminieren. Bisher verlangte die strikte Umsetzung der TR Notruf 1.0 durch die Carrier praktisch an jedem Standort einen lokalen Breakout für Notrufe, wodurch ein Großteil der durch die Zentralisierung der Anschlüsse zu erzielenden Einsparungen verloren ging.

Die Neufassung der TR Notruf lässt eine Ermittlung von Standortdaten aus einer tagesaktuellen Datenbank zu. Eine Einschränkung, dass die Datenbank durch den Carrier betrieben werden muss bzw. ihre Inhalte durch Informationen aus seinem Netz zu füllen sind, ist nicht gemacht worden. Es spricht demnach nichts dagegen, dass die Standortdaten durch einen z. B. Lokalisierungsserver des Kunden dynamisch ermittelt und an diese Datenbank übertragen werden. Selbst eine nomadische Nutzung des zentralen SIP-Trunks durch die Mitarbeiter ohne lokalen Breakout wäre durch eine solche Lösung gesetzeskonform umsetzbar.

Die alte Norm verlangte, dass die gemeinsam mit dem Notruf zu übertragenden Standortinformationen durch das Netz des Anbieters zu ermitteln waren, und dass Standortinformationen, die vom Endgerät selbst festgestellt wurden, nicht für die Lokalisierung des Notrufenden genutzt werden dürfen. Von dieser strikten Haltung ist die BNetzA dahingehend abgewichen, dass diese Daten (sofern sie dem Netzbetreiber vorliegen) als zusätzliche Information zu den selbst ermittelten Standortdaten an die Leitstelle zu übertragen sind, um dort eine genauere Lokalisierung zu ermöglichen. Insbesondere im Mobilfunk kann so bei eingeschaltetem GPS eine deutlich genauere Ortung erfolgen.

Standortdaten in Form von geografischen Koordinaten

Neben den zuvor genannten Erleichterungen gibt es aber auch eine Verschärfung der Anforderungen. Bisher stand es den einzelnen Carriern frei, welches Format sie für die Standortinformationen bei der Übertragung an die Leitstellen auswählten. Zukünftig ist die Bereitstellung in Form von geografischen Koordinaten verpflichtend (Kapitel 5.2.3.1.2 der TR Notruf 2.0).

Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn die Koordinaten nicht bestimmt werden können. Nur in diesen Fällen sind hilfsweise andere Standortangaben, abhängig von der eingesetzten Netztechnologie, möglich (Kapitel 5.2.3.1.4 der TR Notruf 2.0).

Hausgenaue Angaben im Festnetz

Unabhängig vom verwendeten Format (Koordinaten oder Anschrift) ist im Festnetz immer eine hausgenaue Angabe zum Standort zu übermitteln, sofern nach der Standortbeschaffenheit möglich (Kapitel 5.2.3.3 der TR Notruf 2.0).

Die Größe der hierfür im ISDN-Signalisierungsprotokoll bzw. im SIP-Header reservierten Bytes ist jedoch durch die Norm beschränkt. Bei mehr als 300.000 Anschriften in Deutschland ist eine eindeutige, hausgenaue Übertragung von postalischen Anschriften nicht möglich, da die Kombinationen von PLZ, Straße und Hausnummer doppelt oder sogar mehrfach vorkommen. Daraus ist abzuleiten, dass im Festnetz nur bei Übertragung von geografischen Koordinaten eine zweifelsfreie Lokalisierung des Notrufenden möglich ist.

Der seit dem Jahr 2014 von DOK SYSTEME GmbH betriebene Notrufserver DOK-ECR setzt genau an dieser Stelle an und liefert zu den bei den Carriern vorhandenen Adressdaten zuverlässig und kostengünstig hausnummerngenaue Koordinaten.

Netzbetreiber mit ISDN-Vermittlungstechnik

Vorerst aufatmen können auch die Netzbetreiber, die ausschließlich die klassische ISDN-Vermittlungstechnik (EWSD) betreiben. Die zuvor genannten Anforderungen der TR Notruf 2.0 stellen diese Unternehmen vor ein unlösbares Problem: Diese Hardware ist nicht in der Lage, das in der TR Notruf geforderten Routing auf Basis von AGSN an die zuständige Leitstelle umzusetzen. Bereits in der ab 2011 gültigen Fassung wurde daher für diese Anbieter eine Übergangsregelung definiert, so dass weiterhin das vor 2011 gültige Ortsnetz-basierte Routing genutzt werden darf. Obwohl die Anzahl der Marktteilnehmer mit ausschließlicher Nutzung von ISDN-Vermittlungstechnik gegen Null tendiert, ist diese Übergangsregelung auch in der neuen TR Notruf 2.0 enthalten. Als Endpunkt der Übergangsregelung ist der 31.12.2025 festgeschrieben, so dass bis zu diesem Zeitpunkt alle Anbieter ihre Netze auf moderne IP-basierte Vermittlungstechnik umrüsten müssen.

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die neu aufgenommenen Regelungen beim Umgang von zentralen SIP-Trunks und nomadischer Nutzung die Migration zur IP-Welt vereinfachen und den Carriern die Möglichkeit bieten, ihre Produkte gesetzeskonform und trotzdem kostengünstig zu realisieren, da sowohl lokale Breakouts als auch die dafür notwendigen Media Gateways entfallen können. Die parallele Übertragung von zusätzlichen Standortdaten der Endgeräte wird vor allem in den Mobilfunknetzen eine spürbare Verbesserung der Lokalisierung von Notrufenden ermöglichen und somit für die Betroffenen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder der Polizei deutlich verringern können. Durch die deutliche Verschärfung der Anforderungen hin zur Übertragung von hausnummerngenauen Geokoordinaten werden im Festnetz ebenfalls Unschärfen beseitigt. Die Anforderungen der Leitstellenbetreiber an ein an den Verwaltungsgrenzen orientiertes Routing werden durch die Befristung der Übergangsregelung zumindest ab 2026 voll erfüllt. Durch die Neufassung der TR Notruf 2.0 sind somit mehrere Unschärfen und Kritikpunkte beseitigt worden. Eine schnelle Umsetzung der neuen Anforderungen durch die Carrier wird dazu beitragen, das Rettungswesen in Deutschland mit den Gegebenheiten der All-IP-Netze zu Verbinden und somit hoffentlich einer größeren Zahl von Notrufenden besser zu helfen.

 

 

Das oben skizzierte Schema stellt die aktuellen Prozesse der Notruflenkung für alle Beteiligten (Gesetzgeber, Netzbetreiber, Telefondienstanbieter, Leitstellen und Endkunden) dar.

 

 

Dipl.-Wirtsch.-Inf. Marco Born | Senior Consultant |
Tel. +49 (0) 5131 49 33 0 

 

 

Dipl.-Ing. Anton Zajonk | Senior Consultant |
Tel. +49 (0) 5131 49 33 0

 

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